Roter Teppich für Groth

Tagesordnungspunkte mussten extra für ihn verschoben werden, weil Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann höchstselbst am Mittwochnachmittag im Ausschuss für Stadtentwicklung die Botschaft vermelden wollte: Die Groth Gruppe ist jetzt Eigentümer des Geländes der Kleingartenkolonie Oeynhausen! Dabei hatte unser mitteilungsbedürftige Bezirksamtschef bereits morgens um 9.07 Uhr über facebook verbreitet: Es gibt einen neuen Verhandlungspartner, Lorac ist Vergangenheit.

Im Ausschuss lobte er dann die Groth Gruppe: Sie sei zwar keine Mutter Teresa, aber auch keine an Maximal-Rendite orientierte Heuschrecke. Groth sei ein Gesprächspartner vor Ort, kenne sich in der Szene aus, es sei ein Unterschied zur Situation mit Voreigentümer Lorac.

Kein nennenswerter Anflug von Trauer, dass hier eine klimatisch bedeutsame Grünanlage geopfert wird. Kein Bedauern, dass man mit einer Bebauung gegen 85.000 Stimmen eines Bürgerentscheides handele. Keine einzige Träne, weil Lorac die Aber-Millionen dieses Geschäftes nicht in Berlin versteuert.  Irgendwie fehlte nur, dass Naumann die Hacken zusammen geschlagen und Meldung gemacht hätte: Befehl ausgeführt!

Jetzt ist also faktisch vollzogen, was dem damaligen Stadtentwicklungssenator Michael Müller wohl schon immer eine Herzensangelegenheit gewesen war: Beton statt Bäume. Weg mit Wilmersdorfs ältester Kleingartenkolonie. Und seine Parteisoldatenfreunde im Bezirk, Naumann und Baustadtrat Schulte, scheinen alles getan zu haben, um diesen Wunsch erfüllen zu können. Nicht geradeaus, nein, mit geschlossenem Visier und jeder Menge Tricksereien. Ob sie dabei gewusst haben, welche Absprachen oder Deals es zwischen Müller und Groth gegeben haben könnte, spielt eigentlich keine Rolle. Hauptsache gehorsam.

Fragen bleiben viele. Welche Signale hatte Groth aus der Politik erhalten, dass er im Sommer am Ball blieb, als seine Vereinbarung mit Lorac nach eigener Aussage bereits ausgelaufen war? Warum kaufte er die 93.000 m² Grünland gerade jetzt, bevor die Entscheidung des Innensenators Henkel im Bezirksaufsichtsverfahren öffentlich bekannt wurde, dass weder eine Veränderungssperre erlassen werden dürfe noch ein Bebauungsplan, der Oeynhausen als Grünfläche gerettet hätte? Waren womöglich alle Bemühungen der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf zum Erhalt der Kleingärten von Beginn an zum Scheitern verurteilt, weil es vielleicht doch Abmachungen von oben mit dem Baulöwen gegeben hatte, die unbedingt einzuhalten waren?

Und warum schreckte unser Bezirksbürgermeister dann doch vor angekündigten gerichtlichen oder gar strafrechtlichen Schritten gegen mich zurück, nachdem im Januar diesen Jahres an dieser Stelle ein Beitrag Stellung bezogen hatte zu einem Interview Naumanns, in dem er sich über „unberechtigte Korruptionsvorwürfe“ geäußert hatte?

Wann rollen die Bagger zur Forckenbeckstraße? Vermutlich kommt es jetzt erst einmal zu einer Mehrheit in der BVV, die Gespräche mit der Groth Gruppe befürwortet, ob nicht doch ein Teil der Kleingartenkolonie erhalten werden kann. Ich hoffe, dass unsere weiteren Bemühungen nicht längst wieder Makulatur sind, weil das Ergebnis, wie weit dem Baulöwen dafür entgegen zu kommen ist, bereits feststeht. Beschlossen an anderer Stelle.

3 Gedanken zu „Roter Teppich für Groth

  1. Angelika Thieme-Eitel

    Es tut weh mit anzusehen wie die Demokratie in unserem Lande zur Plutokratie mutiert. Die Engstirnigkeit politisch Verantwortlicher und die Gier nach Macht und Geld Einzelner sind die optimalen Katalysatoren für diesen Prozess.
    Wählen zu gehen ist im Grunde genommen eine überflüssige Handlung geworden, da Mehrheitsinteressen sowieso ignoriert, wichtige Entscheidungen hinter verschlossenen Türen getroffen und die wenigen aufrichtigen Stimmen aus den Reihen der Parteien abgewürgt werden.

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  2. Henze Elke

    Sag mir wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben? Geldscheine kann man nicht essen, wenn alles zugebaut ist, was passiert gerade auf dieser Erde, einfach mal nachdenken!! HERR GROTH

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  3. Hans-Joachim Grönke

    ich bin 67 Jahre alt und in Schmargendorf geboren und lebe immer noch hier und kenne und liebe dieses gesamte Kleingartengelände immer noch.
    Warum wollen unsere führenden Politiker in der Landes- und Bezirksregierung unbedingt das die Groth-Gruppe dieses Gelände zubetoniert mit Luxusimmobilien , die nur wenige bezahlen können.
    Mit welcher Ignoranz geht man über 85000 Wählerstimmen zum Erhalt der Kolonie Oeynhausen um.
    Ist hier vom Investor vielleicht doch Geld geflossen, um die Baugenehmigung zu erlangen.
    Wir wollen nicht das die ganze Stadt zubetoniert wird und wir hier bald keine gesunde Luft mehr kriegen.

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