Grandiose Kleingärtner

Plakate-Raupen-A3-A4-225x300_178Sie haben diskutiert, Stadträte und Bezirksverordnete mit Fragen genervt :-), Plakate entworfen, Strategien aufgestellt, den Bezirk plakatiert, dutzende Infostände organisiert, 100.000 Flyer verteilt – und gewonnen.

Schon die ersten Zahlen, die „Spione“ aus einzelnen Wahllokalen meldeten, sorgten gestern abend für sehr viel Jubel. Und als Dagmar König, Stadträtin für Bürgerdienste etc. und damit Verantwortliche auch für das Wahlamt, gegen 21:30 Uhr in die Kolonie kam, meldete sie: ausgezählt sind 50 % der Wahllokale, es gab ca. 40.000 abgegebene Stimmzettel, davon mehr als 70 % für die Kolonie.

Damit war das erforderliche Quorum bereits erreicht: es hätten mindestens 24.191 Stimmzettel abgegeben werden müssen. Von den Abgegebenen hätte mindestens die Hälfte (+1) für Oeynhausen angekreuzt werden müssen – das war da schon klar.

Die Stimmung auf dem Festplatz der Kolonie schwankte bis zu den ersten Zahlen zwischen Euphorie und Angst. Danach war nur noch unbändige Freude. Ich bin noch nie von so vielen Menschen (nacheinander) umarmt worden. ich hab aber immer gesagt: ich bin nur ein kleines Licht, ihr Kleingärtner_innen habt das gemacht. Nutzte nix…

Das Endergebnis ist jetzt hier bekanntgegeben:

Stimmberechtigte 244.633
Wahlberechtigte 2011 241.908
Abgegebene Stimmen 115.146 47,60 %
Ungültig 5.196 2,15 %
Gültig 109.950 97,85 %
Ja 84.729 77,06 %
Nein 25.221 22,94 %

Wie geht es weiter? Gute Frage… Das Bezirksamts-Kollegium wird sich wohl in seiner Sitzung am Dienstag damit beschäftigen müssen. Im Sinne der Kleingärtner_innen und der Unterstützer_innen wäre wohl, daß der Bebauungsplan nun unterzeichnet und beschlossen würde. Wichtig wäre auch, daß die Zählgemeinschafts-Fraktionen ihre unsinnige Blockadehaltung aufgeben und damit auch dem Bezirksamt klar aufzeigen würde, daß der Bürgerwille auch von ihnen respektiert wird. Über einen evtl. zu zahlenden Schadensersatz sollte ein neues Gutachten Auskunft geben; letztendlich wird darüber natürlich ein Gericht entscheiden müssen. Prof. Christian Otto, der an der TU Berlin Bau- und Planungsrecht lehrt und in einem fundierten Beitrag für die Sendung Klartext bereits den Kopf geschüttelt hat, sagte gestern in rbb aktuell erneut, daß er ein Risiko maximal in Höhe von 2,5 Millionen € erkennen kann. Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn ein solcher Betrag nicht aufzutreiben wäre…

Und Marc Schulte? Der beschäftigte sich am Samstag mit einem Beitrag von rbb online, in dem stand, daß die BVV einen Untersuchungsausschuß eingesetzt hätte, und daß er in der BVV den unseligen „Kompromiß“ wieder ins Gespräch gebracht hätte. Beides, so sagte er wohl dem rbb, sei nicht richtig.
Recht hat er in Bezug auf den Ausschuß – wobei das Erbsenzählerei ist: es gibt auf Bezirksebene keine Untersuchungs-Ausschüsse. Wir haben allerdings einen Ausschuß eingesetzt, der was untersuchen soll… Und zu dem Kompromiß: das hat er gesagt, viele haben es gehört, und einige haben  dies dem rbb gegenüber bestätigt.

Mein Schwiegervater, strammer SPD-Wähler und Kleingärtner, hat mir mal davon erzählt, daß es Zeiten gab, in denen die Kleingärtner (West-) Berlins machtvolle Demonstrationen auf die Beine gestellt haben, wenn der Senat auch nur daran dachte, Kleingärten anzufassen. Vielleicht ist ja die Kolonie Oeynhausen eine Keimzelle für so etwas. Ein Hinweis darauf könnte sein, daß sowohl der Landesverband der Kleingärtner als auch einige Kolonien aus allen Bezirken die Kolonie Oeynhausen finanziell und ideell unterstützt haben.

Mein Glückwunsch geht an die Kleingärtner_innen und die BI „Schmargendorf braucht Oeynhausen“. Mein Dank geht an alle Bürger_innen aus dem Bezirk, die dem Senat und den Bezirksamt gestern gezeigt haben, was eine Harke ist. Wie sagt Frank Sommer immer: „Venceremos!

 

 

 

 

2 thoughts on “Grandiose Kleingärtner

  1. Antworten
    Thorte - 29. Mai 2014

    Hallo Herr Neu,

    Sie waren augenscheinlich das letzte Mal zu Zeiten der Erzählungen Ihres Schwiegervaters in der Kolonie Oeynhausen.

    Es gibt keine Tore, die den Zutritt versperren. Es gibt einen öffentlichen Spielplatz. Es gibt eine öffentliche Gastronomie. Es gibt Sonntagsbruchs, der Bezirksweit beworben wird. Es gibt Feste, die – sofern nicht eine der jährlichen Sitzungen statt findet – die öffentlich sind und beworben werden (btw. Sie sollten sich die Resonnanz des jährlichen Kinderfestes mal ansehen und in die strahlenden Augen der Kinder schauen). Es gibt Lehrpfade, man kann Imkern bei der Arbeit zusehen, viele Gärten sind offen und sicher bekommt man auch mal nen Kaffee, vor den Türen hängt saisonnales Obst – Gemüse und Kräuter, usw.

    Jedoch stimme ich Ihnen zu, dass beim „gemeinen“ Kleingartenwesen noch eine ganze Menge getan werden kann. Dies hat aber schon seit einiger Zeit der Landesverband erkannt und die Weichen gestellt. Kleingärten, grüne Oasen, machen einen Teil der Anziehungskraft der Stadt aus.

    Kommen Sie gern zum Brunch vorbei und ich mache mit Ihnen eine große Runde, oder wir grillen gemeinsam etwas Leckeres.

    Viele Grüße

    Thorsten Laatsch

    PS: Vlt. ist Sigi Schlosser auch dabei. Ein regelmässiger und gern gesehener Gast in der Kolonie, der am 25. Mai schon lange nicht mehr von so vielen Menschen umarmt wurde 😉

  2. Antworten
    neu - 26. Mai 2014

    „Mein Schwiegervater, strammer SPD-Wähler und Kleingärtner, hat mir mal davon erzählt, daß es Zeiten gab, in denen die Kleingärtner (West-) Berlins machtvolle Demonstrationen auf die Beine gestellt haben, wenn der Senat auch nur daran dachte, Kleingärten anzufassen.“

    Ich erinnere mich als Schulte – noch ein junger spund und noch nicht lange stadtrat – sich in der von kleingärtnern vollgestopften aula der witzlebengrundschule für die geplante (und bis heute nicht realisierte) „durchwegung der kleingärten zum bahnhof westkreuz“ rechtfertigen mußte.(wo -aus meiner sicht- die kleingärtner wirklich etwas „kleinkariert“ daherkamen)Welch ein sturm der entrüstung und des widerstandes und bis heute sind sie ja auch erfolgreich geblieben.Die öffnung der kolonie ist bis heute ein problem,jedoch liegen die probleme auch noch wo anders.Soviel zur historischen widerstandsbereitschaft der „klein- und großgärtner“

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